Zum Beginn der Gartensaison hat der BUND eine aktualisierte Übersicht zu Erden ohne Torf veröffentlicht. Rund drei Millionen Kubikmeter Torf werden in Deutschland jedes Jahr in Blumenerden verbraucht, knapp zwei Millionen davon in Hobbygärten. Ein großer Teil des Torfs kommt aus dem Import. Die gute Nachricht ist, dass aufgrund des Klimaschutzplans der Bundesregierung der Torfanteil in verkauften Erden sinkt. In dem BUND-Einkaufsführer sind über 350 Produkte von 27 Herstellern aufgelistet, die bundesweit verfügbar sind. Er gibt zudem Auskunft über 16 große Gartencenter und Baumärkte mit den jeweils dort verfügbaren torffreien Produkten. Darüber hinaus zeigt er, wie sich im Garten oder auf dem Balkon Kompost selber herstellen lässt.
„Wer torffrei gärtnert, bewahrt wertvolle Moore vor weiterer Zerstörung und trägt zu Natur- und Klimaschutz bei“, betont Manfred Radtke vom BUND Rotenburg. Moore und ihre dicken Torfschichten sind über Jahrtausende gewachsen und speichern viel Kohlenstoff. Werden sie für die Gewinnung von Torf abgebaggert, gehen wichtige Lebensräume für seltene Arten verloren und es gelangen große Mengen des Treibhausgases CO2 in die Atmosphäre. „Moore sind einzigartige Ökosysteme und bedeutende Klimaschützer, die wir bewahren müssen. Torf gehört deshalb auf keinen Fall in den Garten oder in Blumenkübel“, sagt Radtke. „Ob für Blumen- oder Gemüsebeet, Balkonkasten, Kräutertopf, Anzucht oder Hochbeet: Es gibt Alternativen ohne Torf.“ Der BUND listet im aktualisierten „Einkaufsführer für torffreie Erden“ Produkte, Hersteller und Verkaufsstellen auf und gibt Tipps, wie sich der Kauf von neuer Erde ganz vermeiden und Komposterden selbst herstellen lassen.
„Viele Menschen wissen gar nicht, dass sich jede Menge Torf im Sack befindet, wenn sie Blumenerde kaufen. So leisten sie unbewusst der Zerstörung dieses so wichtigen Lebensraumes und der Freisetzung von CO2 weiter Vorschub“, so der BUND-Sprecher. Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden in Deutschland jedes Jahr verbraucht, etwa zweieinhalb Millionen von Hobbygärtnern. Diese Menge in 50-Liter-Gartenerde-Säcke verpackt und hintereinander ausgelegt ergäbe eine Gesamtlänge von circa 40.000 km und entspricht einer kompletten Umrundung der Erde entlang des Äquators. Moore beheimaten zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Goldregenpfeifer, Hochmoorbläuling oder Sonnentau. Das sind Arten die fast nur dort leben können. Zudem bedecken Moore weltweit nur drei Prozent der Landoberfläche, speichern jedoch doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder auf einer rund sieben Mal so großen Fläche. Radtke: „Moore sind wahre Klimaschützer.“
Der BUND-Einkaufsführer für torffreie Erden kann unter rotenburg.bund.net heruntergeladen werden.
Hintergrund
Torf ist eine Ansammlung von nicht oder nur teilweise zersetzter pflanzlicher Substanz und entsteht unter Luftabschluss im Moor. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Torfmoose, die in Hochmooren wachsen. Ein gesundes Hochmoor wächst in einem Jahr nur etwa einen Millimeter, das sind für einen Meter Torf etwa tausend Jahre. Ist ein Feuchtgebiet erstmal durch Trockenlegung oder Abbau zerstört, dauert es Jahrzehnte, bis es wenigstens wieder von einigen typischen Pflanzen- und Tierarten besiedelt wird und Jahrhunderte, bis sich die ursprünglichen Lebensgemeinschaften wieder zusammenfinden, wenn überhaupt.
In Estland, Lettland, Litauen und Russland sind riesige Moorflächen vorhanden, die nicht nur seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten, sondern auch als Kohlenstoffspeicher eine große Bedeutung haben. Sie zählen zu den größten und kostbarsten Hochmooren Europas. So sind zum Beispiel in Estland rund 22 Prozent der Landesfläche Moor, insgesamt entspricht das einer Fläche von ca. 1 Million Hektar, 10.000 Moore sind über das Land verteilt. Zur Zeit der Sowjetunion wurden große Mengen Torf als Brennstoff und als Einstreu genutzt. In den letzten 30 Jahren haben sich insbesondere deutsche und andere westeuropäische Firmen in diesen Ländern Rohstoffe gesichert, um den expandierenden Gartenbau und die
Nachfrage nach Blumenerden in Europa zu bedienen. So werden auf zehntausenden Hektar Moore abgebaggert, um Torf zu gewinnen und zu exportieren
Torfabbau im Aschhorner Moor (1. Mai 2024) | Foto: © Harald Kleinmann