Planfeststellungsbeschluss A 20

Der Gipfel der Unvernunft


Bremervörde. Für den Bremervörder Abschnitt der Autobahn A20 wurde am 21.01.26 der Planfeststellungsbeschluss verkündet. Parallel laufen Flurbereinigungsverfahren, da etliche für die Trasse benötigten Flächen in Privatbesitz sind und von den Besitzern nicht freiwillig verkauft wurden.

Sabine Holsten, Vorsitzende der Kreisgruppe Rotenburg: „Wir lehnen weiterhin den Bau der A20 ab. Dieses Projekt aus den 60er Jahren, 2005 wieder aufgegriffen, ist völlig aus der Zeit gefallen. Das Heil wird weiterhin ausschließlich in der weiteren Zerstörung unserer Lebensgrundlagen gesucht. Dass am Bau dieser längsten und umweltschädlichsten neuen Autobahn festgehalten wird, ist ein Ausdruck des Realitätsverlustes der politischen Entscheidungsträger.“

Klimawandel, Artenschwund, Flächenversiegelung und Wasserverschmutzung sind zu globalen Problemen geworden. Überleben, Ernährungssicherheit und Lebensqualität sind bedroht. All diese Probleme verschärfen sich durch 214 km neue Autobahntrasse, teilweise auf Moorböden. Selbst nach den Planungsunterlagen würde das niedersächsische Teilstück der neuen Autobahn im Betrieb zu über 90 000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen pro Jahr zusätzlich führen. Nicht berücksichtigt wurde der zusätzliche Autoverkehr auf der Trasse und in der Umgebung, den eine neue Autobahn mit sich bringt, der sogenannte „induzierte Verkehr“. Durch Mehrverkehr und höhere Geschwindigkeiten steigen die CO²-Emissionen weit stärker an als durch die Verflüssigung des Verkehrs eingespart wird. Das belegt eine neue Studie der TU Dresden.

Kein wirtschaftlicher Gewinn für die Region

Studien aus den letzten 45 Jahren belegen, dass Autobahnen, die nicht Ballungsgebiete, sondern schwächer besiedelte ländliche Regionen verbinden, nur zur kleinräumigen Verlagerung von Betrieben, selten aber zu Neuansiedlungen geführt haben. Einzelne Branchen würden begünstigt, andere Betriebe und deren Arbeitsplätze würden durch die A 20 gefährdet werden oder wegfallen. Durch die Einstellung der Fähre Glückstadt-Wischhafen nach einem Autobahnbau gingen direkt und im Umfeld Arbeitsplätze verloren. Fern-Radrouten zwischen dem nördlichen Elbe-Weser-Dreieck und Schleswig-Holstein wären unterbrochen. Der Verlust von Erholungsqualität und die Veränderung der Verkehrsströme dürften nicht nur auf touristische Betriebe Auswirkungen haben. In der Planfeststellung werden außerdem „erhebliche Beeinträchtigungen für landwirtschaftliche Nutzungen“ durch die gewählte Trasse zwischen Glinde und Forst festgestellt.

Viel Geld für wenig Verkehrsnutzen

Die A 20 verläuft in Schleswig-Holstein etwa 40 km nördlich von Hamburg-City. Die Strecke von Bremervörde nach Hamburg über die A 20 und A23 ist mit ca. 100 km ähnlich weit wie über Sittensen und die A 1 und weiter als mit der B 74 über Stade. Dafür sollen über 8 Milliarden Euro eingesetzt werden.
Wer redet aber vom Zeitverlust durch die A 20, für Landwirte, für Anwohner, für alltägliche Wege auf die andere Seite der Autobahn? Nur ein Teil der heutigen Wege in der Flur sollen nach Autobahnbau und der dazu erforderlichen Flurbereinigung bestehen bleiben. Das bei Radlern und Joggern beliebte Sträßchen am Nordrand der Höhne würde teilweise unter der Trasse verschwinden. Als Ersatz gäbe es eine „romantische“ Verbindungsstraße nördlich an der Autobahn entlang.

Die Bremervörder würden sich wahrscheinlich wundern, wo die Entlastung der Innenstadt bleibt. Im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Bremervörde 2009, also noch ohne Ortsumfahrungen, waren nur 14% des Kfz-Verkehrs in Bremervörde Durchgangsverkehr. In der Autobahnplanung wird auf der Gnarrenburger/Bremer Straße und zwischen Großem Platz und Elm mit einem höheren Verkehrsaufkommen durch den Zubringerverkehr zur Auffahrt gerechnet. Schließlich soll die A 20 unter anderem die A 1 entlasten. Auch Orte an der B 71 wie Selsingen werden sich umschauen.
Im Planungsverfahren wird offen gelassen, wo der benötigte Sand, Asphalt und Beton herkommen sollen. Eventuell wird die Stadt in der mehrjährigen Bauphase zusätzlich belastet.

Bahn und Bus – Mobilität für (fast) alle

„Mit dem Auto erreicht man jedes Haus – mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht einmal jeden Ort. Wir brauchen hier keine Autobahn, sondern die Wiederbelebung der vorhandenen Bahnstrecken von Bremervörde nach Stade, nach Rotenburg, nach Bremen, kombiniert mit Zubringerbussen. Das sind Investitionen in die Zukunft!“, ist Ursula Trescher, stellvertretende Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Rotenburg, überzeugt. Seit der Einführung des Deutschland-Tickets werden öffentliche Verkehrsmittel mehr nachgefragt. Sie sind breit nutzbar, auch für Menschen ohne Auto oder Führerschein, für Jugendliche, für Senioren, für Menschen mit Einschränkungen, für die, die sich kein Auto leisten können. Das Angebot lässt in der Region aber zu wünschen übrig.
Die meisten Pendler aus dem Raum Bremervörde arbeiten im Raum Stade. Dorthin fahren nur 3 direkte Buspaare täglich. Mit Umsteigen braucht man für die nur 30 km lange Strecke über eine Stunde. Die Reaktivierung der EVB.Strecke für den ganzjährigen Personenverkehr ist geplant.
Gebraucht wird ein Gesamtkonzept, mit den Bahnlinien als Grundgerüst. Buslinien, Anruf-Sammeltaxen und andere flexible öffentliche Verkehre dienen dann als Ergänzung. Leihräder könnten an den Bahnhöfen das Angebot vervollständigen.
Eine lebendige Region mit regionalen Wirtschaftskreisläufen würde nicht nur den Güter- und Personenverkehr reduzieren, sondern wäre auch weniger anfällig für außenpolitische Turbulenzen, wie wir sie in letzter Zeit vermehrt erleben.

Widerstand und Klagen

Der BUND wird sich politisch dafür einsetzen, dass sich eine zukunftsfähigere Verkehrs- und Wirtschaftspolitik mit Schonung von Natur und Menschen durchsetzt. Am 28.2. beteiligt sich der BUND Rotenburg an einer Aktion mit der BI A 20-NIE und Autobahngegnern aus anderen Verbänden / Gruppen an der geplanten Auffahrt zur A 20 in Glinde an der Bundesstr. B 495, um 14 Uhr „Das Monstrum sichtbar machen!“ Dazu sind alle willkommen!
Weiterhin wird der BUND Niedersachsen prüfen, ob im Planfeststellungsverfahren Rechtsfehler vorliegen, vor allem auch in Hinblick auf die Umsetzung des Klimaschutz-Gesetzes. Klagen können bis zum 10.3. eingereicht werden. Da bei Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht mit sehr hohen Kosten gerechnet werden muss, freut sich der BUND über Spenden zur Finanzierung der Klagekosten.

Überweisungen mit Spendenquittung sind möglich auf das Konto:
BUND Kreisgruppe Rotenburg
IBAN: DE66 2926 5747 7439 5882 00
Volksbank im Elbe-Weser-Dreieck
GENODEF1BEV
Stichwort: A20 stoppen

Mehr Informationen:

Einsicht in die Planungen
Neue Studie zu Induziertem Verkehr und CO²
A 20 NIE

Kontakt:
Ursula Trescher,
Bahnhofstr. 22,
27432 Hipstedt,
Tel.: 0 47 68 / 685
E-Mail: ursula.trescher@bund.net

Hrsg.: BUND-Rotenburg, Ursula Trescher (V.i.S.d.P.), Bahnhofstr. 22, 27432 Hipstedt